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Meldungen 17. Mai 2012
 
Sonntag, 09. Oktober. 2005

Interpretation als künstlerisches Abenteuer:
Beeindruckender Klavierabend von Eugene Mursky in der Aula des Schönbuch-Gymnasiums in Holzgerlingen

Nach der offiziellen Einweihung vor gut einer Woche folgte nun ein erster großer Klavierabend auf dem neuen Flügel des Gymnasiums. Anlass dazu war eine Benefizveranstaltung des inzwischen 100-jährigen Rotary-Clubs


Eugene Mursky (links) und der Club-Präsident Helmut Petri

Der dreißigjährige Pianist aus Usbekistan, der jetzt in Berlin lebt, ist in unserer Region kein Unbekannter mehr: Zuletzt spielte er vor zwei Jahren im Rahmen des Pianistenfestivals in Böblingen. Doch auch auf internationalem Parkett ist Eugene Mursky zuhause, seitdem er mehrere große Preise gewonnen hat. Das Konzert am Sonntagabend in Holzgerlingen war so eine Art Hauptprobe für einen Auftritt beim BBC-Musikfestival in Dublin in den nächsten Tagen.

Er begann mit Chopins g-moll-Ballade op. 23 und man spürte sofort, dass das ein Gebiet ist, in dem er sich bestens auskennt. Bei ihm gibt es keine romantisierende Vernebelung oder gar vordergründige Salonbrillanz. Mursky hat eine eigene, neue Sicht auf Chopin, die reich ist an spontan wirkenden Akzenten und die trotz aller Klarheit ein sensibles, bisweilen nach innen gekehrtes Register besitzt.

Seine Impulsivität ist eine Kombination aus Noblesse und Zügigkeit und auch eine gewisse sportliche Attitüde ist dabei. Dass die Arbeit eines Pianisten nicht nur von einer enormen Gedächtnisleistung und einer persönlichen Gestaltungskraft lebt, sondern vor allem auch von enormen manuellen Fertigkeiten, machte die Vergrößerung der spielenden Hände auf der Leinwand deutlich. Die Fülle der Töne, die enorme virtuose Fingertechnik und die Signale der Gestaltung waren für die Besucher nicht nur ein akustisches, sondern eben auch ein optisch starkes Erlebnis. Man sollte jedoch aufpassen: das Bild kann auch ablenken und das Hören hinten anstellen, ein Klavierabend sollte nicht zum Fingerballett mutieren.

Ganz klassisch ging es weiter mit Beethovens „Appassionata“ in f-moll, genau vor zweihundert Jahren entstanden. Mursky hat dieses Gipfelwerk pianistischer Klavierliteratur bestens studiert und virtuos erklommen. Er setzt dabei viel Energie in Bewegung um und weiß auch um das Poetische in dieser Sonate. Doch in die Fundamente der musikalischen Architektur dieses Werkes ist er (noch) nicht ganz vorgedrungen, hier blieb vieles noch ungesagt. Im zweiten Teil machte es der Pianist sich und seinen Hörern etwas schwerer. Zunächst spielte er die sechs ersten Préludes aus dem zweiten Heft von Debussy, knappe, wenig bildhafte Stücke, trotz der poetischen Naturbilder wie „Nebel“ oder „Welke Blätter“.  Im Gegensatz dazu die Cabaret-Groteske „General Lavine-eccentric“ im Cake-Walk-Stil.

Das war alles sehr spannend und vielsagend gemacht, immer natürlich überdeckt von einer klanglichen Herbheit, die Mursky bisweilen noch zu forcieren schien. In der abschließenden B-Dur-Sonate op. 83 von Prokofjew, geschrieben unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, werden in den Ecksätzen sogar harte Auseinandersetzungen ausgetragen, wird Unruhe zur Triebkraft eines kraftvollen Klangstils. Nur das Andante coloroso in der Mitte schien vermitteln zu wollen. Mursky legte sein Spiel keineswegs zimperlich an, er kostete trotz des scheinbar mühelosen Fingerflugs  jede denkbare Nuance aus und bewältigte die nicht leichte, kräftezehrende Partitur mit Souveränität und Wachheit. Ein Wort noch zum neuen Flügel: Er gibt sich unglaublich präsent und auch klangvoll. Bisweilen wünschte man ihn sich ein wenig weicher intoniert, besonders in den oberen Lagen. Anstelle eine Programmes führte Dr. Ulrich Köppen kenntnisreich durchs Programm. Mursky spielte Liszts „La Campanella“  als Zugabe, bevor er am Ausgang seine CDs signierte.

Von Wolfgang Teubner


>> Artikel im Original aus der Kreiszeitung Böblingen (PDF) <<



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