Ziel des Vortrags „Chinas Angst und Deutschlands Beitrag" ist es, ein grundlegendes Verständnis für das heutige Handeln des chinesischen Volkes unter dem geschichtlichen Einfluß der westlichen Staaten zu erreichen. Im Rahmen einer Analyse der historischen Ereignisse nach den Opiumkriegen wird deshalb vor allem versucht den Einfluß den Deutschland auf China hatte und immer noch hat zu erläutern.
Sowohl bei der Koloniali- sierung, als auch beim Boxeraufstand und dem zweiten Sino-Japanischen Krieg hatte Deutschland einen nicht unmerklichen Beitrag zur historischen Entwicklung Chinas geleistet. So wurde beispielsweise im Rahmen der Kolonisierung des Schutzgebiets von Jiaozhou im Umland der Stadt Tsingdao ab 1898 durch die „Kolonisierung mit allen Mittel" versucht, den Chinesen die deutsche Kultur überzustülpen. Die sich aus diesen Kolonisierungsbemühungen ergebenden Spannungen innerhalb Chinas führten deshalb ab 1900 zur ständig steigenden Abneigung gegen die ausländischen „fremden Teufel" durch die Chinesen. Diese Abneigung gipfelte in der Folge im blutigen Boxeraufstand der durch einen multinationalen Truppenverband westlicher Staaten anschließend niedergeschlagen wurde. Der Boxeraufstand und Deutschlands Einfluß hierauf ist heute bei uns weitgehend unbekannt. Doch in der Volksrepublik China wird gerade dieses Kapitel der Geschichte als tragischer Wendepunkt dargestellt. So gerieten nach dem Boxeraufstand die chinesische Gesellschaft und der innergesellschaftliche Zusammenhalt völlig aus den Fugen. Deshalb kam es in späterer Zeit zur Ablösung des Kaisers ab 1911 und zu einen blutigen Bürgerkrieg innerhalb Chinas. Im Anschluß daran, war China derart stark geschwächt, daß es zwischen 1931 und 1945 unter Besatzung der Japaner stand. Innerhalb dieser Zeit sind die Japaner für 21.000.000 tote Chinesen verantwortlich. Dieser Konflikt ist zwischen China und Japan bis heute nicht aufgearbeitet und belastet das Verhältnis der beiden Staaten deshalb immer noch. Abschließend gilt es zu erkennen, daß die Chinesen ab den Opiumkriegen von annähernd jedem westlichen Staaten übervorteilt wurden. Diese Situation beeinflußt noch heute, daß teilweise für westliche Staaten unverständlich harte Vorgehen der Chinesen. Aufgrund der Geschichte haben die Chinesen heute Angst, daß die gesellschaftlichen Verhältnisse erneut destabilisiert werden könnten. Die chinesische Gesellschaft ist eine kollektivistische Gesellschaft und ist auf gemeinsam-kollektives Handeln ausgelegt. Gerade deshalb versucht die Zentralregierung in Peking unter allen Umständen ein auseinanderbrechen des Kollektivs der Staats aber auch der Gesellschaft zu vermeiden. Bewegungen wie Separatismus oder kritische Berichterstattung werden hierbei von der Regierung in Peking genau so bekämpft, wie extremistische Religionsausübung. Dies dient nach Lesart der Regierung einzig und allein dem chinesischen Volk und der Ordnung. Deshalb mag das chinesische Handeln westlicher Sicht häufig autoritär oder extremistisch sein, jedoch gilt es zu verstehen, daß die Handlungen auch und gerade der europäischen Staaten und nicht zuletzt Deutschlands zu dieser heutigen Ausgangslage geführt haben.
Die Präsentation zum Vortrag ist im Mitgliederbereich als Download hinterlegt.