Kupferzell. Zum fünften Mal in Folge luden die Hohenloher Rotarier interessierte
junge Erwachsene zu einem mehrtägigen RYLA-Seminar ein. RYLA ist das Kürzel von
Rotary Youth Leadership Award, ein Programm zur Förderung der Persönlichkeit
und der Führungskompetenz junger Erwachsener.
31 junge Menschen, teils im Beruf
stehend, teils noch in Ausbildung, trafen sich im Kupferzeller ‚Schlössle’, um
unter dem Thema „Führung – Verantwortung - Zukunft“ von der Erfahrung bewährter
Führungskräfte zu lernen, worauf es beim Umgang mit Mitarbeitern, Partnern,
Kunden und Kollegen ankommt undwas zur
Übernahme von Verantwortung in Betrieb und Gesellschaft bedacht und gebracht
werden sollte.
Nach der Begrüßung durch
Präsident Frieder Uebele vom RC Künzelsau-Öhringen und den Seminarleitern Willi
Mönikheim und Joachim Quarder und einer Vorstellungsrundebegann das Seminar am Freitag mit einem
Referat von Fritz Müller (GEMÜ, Ingelfingen) über Führung und Verantwortung im
Wandel. Vor dem Hintergrund jahrzehntelanger Erfahrung in der eigenen Firma,
ermutigte er die jungen Leute zur beruflichen Selbstständigkeit, weil sie die Chance
bietet sich kreativ zu entfalten und Zukunft selbst aktiv mit zu gestalten.
Seine Firma, mit inzwischen an die 20 Niederlassungen rund um den Globus, ist
für Fritz Müller, wie eine große Familie, wo die persönliche Präsenz und die
Verantwortung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders wichtig sind.
Dies wurde am anderen Morgen
ergänzt um den Versuch einer Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ Ausgehend von
philosophischen und theologischen Antworten auf die Frage nach dem Sinn und
Zweck des menschlichen Seins, regte Pfarrer Willi Mönikheim, zurSpurensuche im eigenen Leben an. Es gehe
darum die Stärken und Schwächen zu entdecken und das Leben authentisch und
verantwortlich zu entfalten.
Dr. Clemens Dirscherl,
promovierter Soziologe und Geschäftsführer des Evang. Bauernwerks im benachbarten Hohebuch, gab
anschließend eine Einführung in die Kommunikation, als zentrales
Führungsinstrument. Praxisnah, mit typischen Beispielen aus dem alltäglichen
Leben,verstand er es den jungen Leuten
die Bedeutung einer zielgerichteten Kommunikation zu vermitteln.
Am Samstagnachmittag war die
Gruppe zu Gast bei der Firma R.STAHL in Waldenburg. Vorstand Dr. Peter Völker
präsentierte mit Ex-Vorstandschef Lothar Wettengel, Gesamtvertriebsleiter
Herbert Schober, Vertriebsleiter Amerika Rainer Nägle, Produkt-manager Jürgen
Poidl, Projektentwickler Björn Henkel und Michael Heinle, stellvertretender
Teamleiter im Steuerungsbau gleich eine ganze Riege von Führungskräften aus unterschied-lichen
Sparten, die den interessierten Teilnehmern einen Einblick gaben in die
vielfältigen Aufgaben eines global agierenden Betriebes dieser Größenordnung. Stellvertretend
für die ca. 80 – 90 jungen Menschen in der
Ausbildungsabteilung der Firma Stahl gaben Falk Kittsteiner und Philipp Groß Einblick
in Inhalte, Organisation und Anforderungen der vielfältigen Ausbildungspalette
ihrer Firma. Nach einer wohltuenden Kaffeepause konnten die Teilnehmer auf
einem Rundgangdurch das Betriebsgelände
die ganze Bandbreite der Produktion von explosionsgeschützten Schaltgeräten
besichtigen, mit denen die Firma R.Stahl von Hohenlohe aus
Geschäftspartner rund um den Globus beliefert.
Samstagabend stand im Zeichen der
Präsentation von ROTARACT HOHENLOHE durch Johannes Späth aus Crailsheim, Student
der Rechtswissenschaften und Schatzmeister bei Rotaract Hohenlohe. Es handelt
sich um einen Club für engagierte junge Erwachsene, die sich als Gegenpol zu
dem im Berufsleben üblichen Konkurrenzkampf darum bemühen Freundschaft zu
pflegen, Fairness und Toleranz üben und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Aktionen
für hilfsbedürftige Menschen durchzuführen.
Der Sonntag brachte nach einem
meditativen Einstieg, einen historischen Rückblick auf die mehr als 800-jährige
Geschichte des Hauses Hohenlohe und der nach ihm benannten Region. Unter dem
Titel „Führung und Verantwortung als historische Verpflichtung“ führte Fürst
Friedrich Karl zu Hohenlohe-Waldenburg durch die Höhen und Tiefen der
Regionalgeschichte, die immer eng verbunden war mit der Geschichte der
Hohenloher Grafen und Fürstenfamilien, in deren Reihen es durchaus auch mehr
oder weniger talentierte Führungspersönlichkeiten gab, die aber neben vielen
verantwortungsbewussten Regionalfürsten und –Fürstinnen immerhin auch zwei
Kanzler, drei Ministerpräsidenten, einen Kardinal, sechs Bischöfe, fünf
erwähnenswerte Feldherren und vier malende Künstler hervorgebracht haben. Heute
leben die ca. 140 volljährigen Glieder des Hauses Hohenlohe in 11 Ländern, auf
drei Kontinenten. „Wir haben keine
Welt-Spitzenleistungen vorzuweisen“ meinte der Referent abschließend „Was wir
aber ganz offensichtlich gekonnt haben ist Teamwork. Wie oft haben zwei, drei,
vier Brüder einander zugearbeitet im Dienst einer guten Idee und ich glaube,
das funktioniert auch heute noch“.
Den Schlusspunkt setzte Tobias
Setzer, Rotaract-Mitglied und China-Experte bei Concencia-Consulting,
Rosengarten, mit dem Thema „Ethik und Moral als Basis erfolgreicher Führung“.
Fundament und
tragendes Element einer guten Führung sei ein ethisch reflektiertes
Wertesystem.Dabei unterschied er
zwischen materiellen Werten, sie erhalten ihren Wert aus der Funktion einer Sache, und immateriellen Werten,
die in der Wert-Erfahrung einer Person gründen und im Gefühl verankert sind. Zu
ihnen gehören z.B. Gerechtigkeit, Fairness,
Aufrichtigkeit gegenüber sich und
anderen, Offener Umgang mit
Problemen, Respektvolles
Verhalten, Rücksichtnahme,
Vertrauen, Freundschaftlicher Umgang,
Disziplin.
Zusammenfassend meinte Setzer: Materielle Werte können zwar als Ziele
dienen, tragen jedoch bei der Menschenführung kaum zum Erfolg bei. Immaterielle Werte hingegen sind für die
erfolgreiche Führung von Menschen unerlässlich.
Erfolgreich führen heißt: Erkennen, dass führen und geführt werden nur zwei Seiten der gleichen Münze sind. Das Bestmögliche für alle Beteiligten zu wollen. Aufrecht zu eigenen Entscheidungen zu stehen. Die Grundlage der eigenen Führung immer wieder neu am
Werteumfeld auszurichten, um damit im
Zusammenspiel zwischen Führenden und Geführten die
gesetzten Ziele bestmöglich zu erreichen.
Die Rückmeldung eines Teilnehmers in der Seminarauswertung:
„Den Veranstaltern ein großes Kompliment. Alles prima organisiert. Ein tolles
Programm und tolle Referenten“
Da kann man den Hohenloher Rotariern nur raten: Macht weiter
so.
Willi Mönikheim