22. Mai 2012
 
Freitag, 22. August. 2008

Unsere Projekte in Zimbabwe: „Hilfe zur Selbsthilfe”



Unsere Projekte in Zimbabwe: „Hilfe zur Selbsthilfe

 

1. Das Aidswaisen-Kinderdorf Mother of Peace Community, Mutoko

 

Anfänge

Bei einem Besuch unseres früheren Clubmitglieds Heinrich Büttgen in 1997, der als ehemaliger ARD-Korrespondent nach seiner Pensionierung nach Zimbabwe zurückgekehrt war, wurde unser Club mit der Aids-Problematik, speziell aber mit den Konsequenzen dieser Epidemie für die Angehörigen und besonders deren Kinder konfrontiert: Wir besuchten damals das anfangs der neunziger Jahre gegründete Kinderdorf, das sich rd. 180 km von Harare entfernt, an der Straße nach Mosambik befindet. Das Dorf hatte damals für etwa 35 Kinder zu sorgen. Inzwischen ist die Zahl der aufgenommenen Kinder auf über 175 gestiegen, bei denen man davon ausgeht, dass etwa die Hälfte infiziert ist; über 60 Kinder sind bereits verstorben und auf dem dorfeigenen Friedhof beigesetzt worden.Praktisch lebt dieses Aidswaisen-Kinderdorf ausschließlich von Spenden, die hauptsächlich vom Ausland kommen. Die an sich zugesagten Leistungen des Staates erfolgen, wenn überhaupt, schleppend und sind auf alle Fälle ungenügend; die Belieferung mit Medikamenten ist unzureichend. So war es von Anfang an notwendig, durch den Aufbau einer eigenen Landwirtschaft das Dorf mit Nahrungsmitteln zu versorgen, was aber in der savanneartigen Landschaft, die zu wenig Oberflächenwasser speichert, mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. Durch zwei vom RC Nagold-Herrenberg finanzierte Grundwasserbohrungen sollte dieser Mangel behoben werden, was aber nicht den gewünschten Erfolg brachte.

Krankenstation
Aber unabhängig von diesem Problem haben wir in 2000 (Einweihung 04.2001) zusammen mit unserem Partnerclub RC Zürich-Flughafen und der Foundation von Rotary International (Gesamtaufwand rd. € 50.000) vor Ort eine kleine Krankenstation errichtet, damit die medizinische Versorgung verbessert werden konnte; sie dient heute auch der umliegenden Bevölkerung für prophylaktische Maßnahmen. Die Ausstrahlung des bei der Einweihung dieser Station entstandenen ARD-Radio-Spots im SWR und Deutschlandfunk führte zu einer in ihrer Wirkung wichtigen Publicity, denn als Resonanz darauf kam es zu zahlreichen Spenden, die zusammen mit unserem Engagement ein Wasserbauprojekt ermöglichten.

Staudamm
Wegen der starken Expansion des Dorfes auf über 170 Kinder war es notwendig, die Lebensmittel-Produktion zu erhöhen, das bedeutete die Landwirtschaft zu erweitern. Dazu brauchte man Wasser, das es zwar in der Regenzeit genügend gibt, das aber nicht kontinuierlich zur Verfügung steht. Mit einem etwa 400 m langen Dammes wurde also ein nahe gelegener Bach aufgestaut. Es war ein gewaltiges Projekt, das die Kräfte unseres Freundes Büttgen erheblich strapazierte. Schließlich war der Damm allen Widrigkeiten zum Trotz fertig und konnte in 06.2004 eingeweiht werden. Es profitierte von der Maßnahme nicht nur die Landwirtschaft des Dorfes sondern auch die umliegende Bevölkerung und ein nahe gelegenes Lepra-Dorf. Gesamtaufwand etwa € 100.000, der durch die kanadische Botschaft, Harare, der deutschen katholischen Pfarrei Schermbeck, vielen privaten Spendern und unserem Club aufgebracht worden ist.

Wasserverteilanlagen
Unmittelbar daran anschließend ist der Bau von Wasserverteilanlagen (Pumpsysteme, Rohrleitungen, Sprinkleranlagen) in Angriff genommen worden. Der finanzielle Aufwand belief sich auf rd. € 60.000. Es ist jetzt möglich, eine ausreichende Lebensmittelproduktion zu erzielen. (Mais, Reis, Kartoffel, Gemüse, Grünfutter für die Tiere). Gegen Ende der Maßnahme, kurz vor Fertigstellung starb Heinrich Büttgen im April 2005 unvermittelt. Die Abwicklung dieses Projektes gelang glücklicherweise mit Hilfe der Deutschen Botschaft, die auch beim Tausch der Währung behilflich war.

Kontakt
Durch den Tod von H. Büttgen ist unsere Verbindung zu dem Dorf damals stark eingeschränkt worden und wir hatten uns überlegt, wie man angesichts der Gesamtinvestitionen von bis dahin über € 210.000 weiterhin den nötigen Kontakt halten kann. Es ist schließlich gelungen, durch Vermittlung der Deutschen Botschaft über die deutschen Dominikanerinnen in Harare eine Verbindung herzustellen, denneine der Nonnen, Schwester Anne Faßnacht, aus Schramberg stammend, arbeitet im Führungsboard des Dorfes mit.

Trinkwasseraufbereitung
Aus einem persönlichen Gespräch mit ihr im August 2006 resultierte der Wunsch nach Hilfe beim Bau einer Wasseraufbereitungsanlage für das Dorf, das Trinkwasser für teueres Geld von der Gemeinde Mutoko kaufen muss. Der Gesamtaufwand von € 15.000 ist auch mit Hilfe des Distrikts 1830 aus Spenden finanziert worden. Die Umsetzung des Vorhabens wird von den Dominikanerinnen kontrolliert, leidet aber unter den schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Weitere Behandlung dieses Projektes
Das Dorf gehört zu einer katholischen Organisation mit Sitz in Südafrika. Diese unterhält 3 Aidswaisen-Kinderdörfer; Mother of Peace Mutoko ist mit Abstand das Größte. Die Leitung von MoP hatten ursprünglich die Gründer, 2 zimbabwische weiße Ehepaare. Inzwischen gibt es ein für die Größe des Dorfes notwendiges, offensichtlich kompetentes und kontrolliertes Management. Das Dorf hat mit einer bewirtschafteten Fläche von knapp 20 ha inzwischen eine Dimension erreicht, die aus der örtlichen Gegebenheiten nicht weg zu denken ist und die Versorgung von Kinder, Helfer und Umland sicherstellt; Erweiterungsinvestitionen sind unseres Erachtens derzeit nicht mehr erforderlich, so dass wir weitere Unterstützung zunächst zurück gestellt haben. Ungeachtet dessen wollen wir die Entwicklung aber beobachten.

2. Die Dominikanerinnen

Loreto Mission - Unterstützung bei einem Schulspeisungsprojekt

Entwicklung
Parallel hierzu wurden in 2006 die Verbindungen zu den Dominikanerinnen intensiviert.

Loreto Mission(Missionsstation im westlichen Zimbabwe)
Weitgehend auf sich und 2 schwarze Mitschwestern angewiesen betreut Sr. Julia Lenze aus Münster mit einem Schulspeisungsprogramm Schulkinder einer örtlichen Schule, aber auch die Armen/Alten dieser Region.
22 Schulkinder werden voll verpflegt, weitere 20 Kinder werden in verschiedenen Heimen des Ordens betreut oder sind zur Weiterbildung in die Haushaltsschule/Handelsschule des Klosters geschickt worden. Es gilt, für die meisten der Kinder das Schulgeld, die Kosten für Bücher, Schuluniformen zu übernehmen und ihnen eine Versorgung zu geben. Diese ist im übrigen auch für die Bevölkerung mehr als mangelhaft. Deshalb produziert Schwester Julia mit einer Landwirtschaft Lebensmittel. Sie beschäftigt Einheimische mit der Bebauung von spärlichen Feldern, teilt die Ernte auf, konserviert die Erträgnisse für den Eigenverbrauch und für den Verkauf, um so an Geldmittel zu kommen oder um Kompensationen machen zu können. Unser Club hat sich angesichts dieser bewundernswerter Arbeit bis auf weiteres zur Unterstützung dieses Projektes entschlossen. Gelegentliche Statements und Briefe bestätigen die schweren dortigen Verhältnisse. Wegen der unbeschreiblichen Inflation ist harte Währung notwendig, damit man die wichtigsten Lebensmittel aus dem 300 km entfernten Südafrika besorgen kann. Gefahren allgemein und für die Bevölkerung, auch für Leib und Leben der Nonnen, bestehen nach wie vor; es ist zu hoffen, dass sich bald solide Verhältnisse in Zimbabwe ergeben.

Walter Röhm

(August 2008)

 



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