Unter dieser Überschrift stand inhaltlich der Abend des 28. Juni 2007, an dem unser Club die Amtsübergabe nutzte, um gemeinsam zu feiern, nachzudenken und (last not least) zu genießen. Die Feier der präsidialen Amtsübergabe fand in den Ausstellungsräumen der manus presse, die Freund Friese leitet, statt. Ein Rotary Meeting, das von so viel erstklassiger zeitgenössischer Kunst eingerahmt wird, war ein besonderer Genuss für unsere visuellen Sinne.
Damit auch die anderen Sinnesorgane positiv angeregt wurden, gab es neben den wohlschmeckenden Speisen vom Büfett auch eine erstklassige musikalische Darbietung: Freund Treßelt konnte eine Studentin gewinnen, den Abend auf einer Marimba musikalisch einzurahmen. Sie führte uns durch ihr virtuoses Spiel in neue Klangwelten. Wenn die Sekunde der Stille vor dem großen Applaus als ein Zeichen deutet, so hat ihre Darbietung nicht nur gefallen, sondern uns alle tief berührt und innerlich bewegt.
Eigentlich hätte es in diesem Rahmen mit den vielen angeregten Tischgesprächen keiner weiteren Programmpunkte bedurft. Aber der Anlass war ja die Amtsübergabe von Präsident Bezler an Präsident Würtenberger.
In seiner Ansprache führte Präsident Bezler aus, dass das vergangene rotarische Jahr ebenso bewegt wie überraschend war. Es wurde von clubinternen Themen und Vorgängen geprägt: der Krankheit von Frau Hagen, des Versuchs der Etablierung eines monatlichen Abendmeetings, der Frage des Clublokals und die seit vielen Jahren im Club geführte Diskussion zur Aufnahme von Damen. Präsident Bezler forderte alle Freunde auf, die bestehenden Differenzen offen untereinander auszusprechen und damit den Klärungsprozess voranzutreiben.
Das rotarische Jahr von Freund Bezler stand unter dem Leitthema Bürgergesellschaft und Bürgerengagement. Er bedankte sich bei allen Freunden im Club, die ihn durch ihr Engagement bei den vielen Veranstaltungen, Aktivitäten und Reisen unterstützt haben. In erster Linie bedankte er sich bei seiner Frau, die sichergestellt habe, dass wir ihn im Jahr seiner Präsidentschaft nicht so erlebt haben, wie er wirklich ist.
Präsident Würtenberger nahm in seiner Rede Bezug auf das Motto des Weltpräsidenten von Rotary International Rotary Shares. Er ging auf die doppelte Bedeutung dieses Mottos ein, die bei einer Übersetzung ins Deutsche nur unklar zum Ausdruck kommt: Share hat eine aktive und eine passive Bedeutung.
Gerade als ältester Club im Distrikt seien wir in besonderer Weise verpflichtet, das Verhältnis zwischen dem Bewahren der Tradition und dem Wagen der Modernität immer wieder als Vorbild und Leitclub zu gestalten. Daher wird Präsident Würtenberger auch das Thema von Frauen als Mitgliedern behutsam und beharrlich weiter in den Club einbringen.
Sein rotarisches Jahr steht unter dem Thema
Unsere Heimat – mitten in Europa.
Deshalb wird uns die Clubreise aus unserer Heimat Stuttgart in die durch Europa geprägte Stadt Brüssel führen.
Die Aufgabe des Rückblicks durch die Seniorenrede hatte Freund Bauer übernommen. Er verglich das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland mit dem in den Vereinigten Staaten. Dabei stellte er fest, dass der Aufruf von John F. Kennedy (Frage nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern was du für den Staat tun kannst) in Amerika viel stärker befolgt wird, als in Europa. Gerade in Deutschland wird eher die Erwartung an den Staat als Handelnden hoch gehalten, war zur hohen Staatsquote und zur enormen Staatsverschuldung führt.
Freund Bauer würdigte das Engagement von Präsident Bezler, indem er die Clubreise nach Krakau besonders hervorhob. Es war wichtig, mit der alten und zugleich modernen polnischen Stadt Krakau den Kontakt zu pflegen, um das deutsch-polnische Verhältnis langfristig auf eine ebenso solide Grundlage zu stellen, wie sie beim deutsch-französischen Verhältnis schon existiert. Das schreckliche Geschehen von Auschwitz darf dabei nicht ausgeklammert werden. Deshalb war es gut, dass die Clubreise auch diesen Teil der deutschen Geschichte angemessen berücksichtigte.
Freund Bauer bedankte sich im Namen aller Freunde ganz besonders bei Präsident Bezler, weil es der Club seinem Präsidenten nicht leicht gemacht habe: so wurde etwa der Vorschlag der Abendmeetings abgelehnt, und die Brezelabende kamen nicht zustande. Durch die umsichtige Präsidentschaft von Freund Bezler war das vergangene rotarische Jahr jedoch eine wunderbare Zeit. Mit intensivem, großem und langem Applaus schlossen sich alle Anwesenden dieser Einschätzung von Freund Bauer an und brachten so ihren Dank an Präsident Bezler zum Ausdruck.
(Dr. Felix Breidenstein)